Fertig gelesen: Die Korrekturen von Jonathan Franzen

Die Korrekturen - Jonathan Franzen, Bettina Abarbanell

Man hat mich beinahe dazu gezwungen, dieses Buch zu lesen. Ein Bekannter knüpfte sogar Bedingungen daran, was passieren würde, falls ich Die Korrekturen nicht endlich mal in Angriff nähme. Die Korrekturen sind die Geschichte einer Familie im amerikanischen Mittelwesten und vor allem, die Geschichte ihrer drei Kinder: dem Investor Gary, dem Literaturprofessor Chip und der Sterneköchin Denise.

 

Nun, danke für den Tipp. Franzen kann schreiben. Aus meiner Sicht steht er TC Boyle in keinster Weise nach - und egal, was ihr von diesem Lob haltet, aus meinem Mund ist es kaum zu übertreffen. Einige sehr schöne Passagen habe ich ja in letzter Zeit gepostet, und das Buch liest sich generell sehr gut. Jede einzelne Passage ist originell, lässt sich auf mein Leben oder das von Bekannten beziehen und steht mit allem anderen in einem großen, verwobenen Zusammenhang.

 

Am unterhaltsamsten fand ich die Lebensgeschichte von Chip (logischerweise auch, weil da der meiste Sex drin vorkam). Und Chip ähnelt ganz stark jenem Bekannten, der mich zwang, dieses Buch zu lesen. Am originellsten fand ich die Neben-Geschichte der Schußwaffen-Zeichnerin, die damit den Tod ihrer Tochter aufarbeitete - auch wenn dieser ohne Schußwaffe zustande kam.

 

Und jedes dieser Leben berührt mich, weil jedes einzelne irgendwie Teile von mir enthält, oder von meinen Bekannten, hier im Prenzlauer Berg, im 21. Jahrhundert, in all der Anhedonie und Trostlosigkeit unseres kollektiven Konsumrauschs. Ein großes Buch, meisterlich geschrieben. Und definitiv werde ich von Franzen weitere Bücher lesen, allen voran noch vor Ende des Sommers "Freiheit".

 

Aber: ich fühle mich am Ende irgendwie leer. Weder traurig, noch ergriffen, noch empört. Auch nicht enttäuscht oder wütend auf die Zeitverschwendung. Nein. Aber irgendwie leer... eine Kritik, die ich las, lautete, dass Die Korrekturen so glatt geschrieben sei, dass es möglichst vielen Lesern gefallen möge. Zu glatt, sagte die Kritik. Ich bin mir nicht sicher, ob es das ist, aber es könnte sein.