Erster Eindruck (nach 74 von 329 Seiten): Super Sad True Love Story

Super Sad True Love Story - Gary Shteyngart

Witzig geschrieben, aber gleichzeitig macht Super Sad True Love Story (SSTLS) ziemlich Angst. Wie Edmund White über das Buch von Gary Shteyngart sagte, machte ihm seinerzeit (wie mir auch) 1984 nicht so sehr viel Angst, weil es teilweise unglaubwürdig war, nicht zur eigenen Situation passte.

 

Die Welt, die Shteyngart in SSTLS zeichnet, ist da viel authentischer: 39jährige Vertriebler einer Unsterblichkeits-Behandlung, die ihres Alters wegen aussortiert werden. Teenager, die mit Akronymen um sich werfen, aber massive Schwierigkeiten mit dem Ausdruck leidlich komplexer Sachverhalte in ihrer Muttersprache haben. Ein Amerika, das nichts mehr herstellt und nur noch auf Kredit lebt - was dazu führt, dass der Kredit-Score jedes einzelnen überall angezeigt wird und nicht genug kreditwürdige (Neu-)Amerikaner des Landes verwiesen werden. Amerika als Weltpolizist gescheitert und völlig isoliert. Ein Jugendwahn, der überschlägt und sich in nippelfreien BHs ebenso manifestiert wie in jungen, schlanken Mädchen, die knapp 40kg wiegen und sich selbst als fett bezeichnen. 

 

Und das alles ganz behutsam fein gezeichnet. Shteyngart ist mal wieder so ein Autor, der abschreckend wirkt, weil er mir jeden Mut nimmt, überhaupt mal selber was zu schreiben.

 

Aber als reiner Leser muss ich sagen: Super Sad True Book!