Spoileralarm

Fertig gelesen: The Twelve von Justin Cronin

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The Twelve - Justin Cronin

Gestern Abend fertig geworden mit The Twelve von Justin Cronin. In Teil 1 (The Passage, Der Übergang) beschwören Wissenschaftler, die an Unsterblichkeit arbeiten, eine Apokalypse hinauf. Das Buch erzählt von einem Polizisten, der für dieses Unsterblichkeitsprogramm Häftlinge einsammelt, an denen getestet werden soll. Dann bricht die Krankheit aus und besagter Polizist versucht, mit einem kleinen Mädchen zu überleben, das Teil des Programms war. Der größte Teil von Der Übergang spielt dann ca. 90 Jahre nach der Apokalypse in einer kleinen, menschlichen Enklave. Mit dem Rücken an der Wand gelingt es einem Team von Leuten um das immer noch junge Mädchen von damals, einen der Häftlinge zu töten.

 

Teil 2, The Twelve, spielt 5 Jahre danach, enthält aber auch Teile von vor der Apokalypse (ein ziemlich cooler Ex-Special-Forces-Soldat und sein "Last Stand in Denver"). Unter anderem wird von der Ex-Frau des Polizisten erzählt, die die Apokalypse nur extrem traumatisiert überlebt und ihrem Leben eine ziemlich negative Richtung gibt. Die Überlebenden, die in Teil 1 in sowas wie einer Republik von Texas ankamen, sehen sich nun einer größeren Bedrohung gegenüber. Ihr Ziel bleibt aber gleich, die restlichen 12 Häftlinge von damals zu töten, die Herz und Hirn der Apokalypse sind.

 

Mehr will ich nicht verraten. Cronin gibt eine Kurzfassung von Teil 1, formuliert als Ur-Text einer offensichtlich neu entstandenen Religion. Dann folgt der erneute Einblick in die Apokalypse, während die Zivilisation zusammenbricht und jeder auf sich gestellt ist. Der Großteil des Buches spielt dann 97 Jahre nach der Katastrophe in einer Welt, die kaum noch wieder erkennbar ist. Ein Beispiel: eine Dienerin in einem Sklavenstaat stirbt, weil sie nicht weiß, was sie tun soll, um der Aufforderung nach "Schokolade" nachzukommen, die ihre geistesgestörte Besitzerin an sie richtet. Was ist Schokolade?

 

Die Charaktere sind tief gezeichnet und interessant. Die Story hangelt sich von Konflikt zu Konflikt und lässt die Leser genügend im Dunkel, um unsere Neugier anzustacheln. Am Ende befinden sich alle in einer "Jetzt oder nie"-Situation. Cronin kann unglaublich gut schreiben - die Szenerie ist dicht und atmosphärisch, die Charaktere sind lebendig und die Geschichte ist einfach spannend. Ich würde sagen, Cronin ist der bessere Stephen King - er hat seine düsteren Ideen, aber er lässt all den Firlefanz weg, der King kaum erträglich macht, die meandernden Charakter-Historien etc. Und im Gegensatz zu King würde ich Cronin im Regal neben Tad Williams und Neal Stephenson aufbewahren. Anderer Schreibstil als die beiden, aber dieselbe Fähigkeit wie sie, eine Welt vor unseren Augen entstehen zu lassen, der man sich nicht entziehen kann.

 

Ist das Literatur? Wahrscheinlich nicht. Ist es sehr intelligent konstruierte, spannende Unterhaltung, die Du nicht beiseite legen kannst? Ja, das ist es. 

 

Mein Fazit: Ich empfehle diesen Dreiteiler von Justin Cronin jedem. Lasst Eure Vorurteile weg - so spannend, schön und fesselnd kommen Dreiteiler nur sehr selten daher.