Das Ende des anspruchsvollen Romans: Wo Huxley sich von Roth unterscheidet

Brave New World - Aldous Huxley

Aldous Huxley schrieb Brave New World im Jahre 1931. Der Einstieg in "Brave New World" führt uns sofort in eins der Labore, in denen Massenproduktion auf Menschen angewendet wird. Einzelne, als wertvoll eingestufte Zellen werden dort im Schnitt 72-mal geklont, und dann innerhalb von zwei Jahren gezüchtet. Ein paar neuen Mitarbeitern wird gerade das gesamte Klon-Labor vorgestellt und dabei kommt es zu folgender Szene:

 

In einem großen, weißen Raum werden in der Mitte des Raumes kleine Schüsseln voller Rosenblüten angeordnet. Daneben werden bunte Bücher ausgelegt, aufgeschlagen in den mittleren Seiten. Wenn alles schön und lieblich vorbereitet ist, werden die jungen Klone ins Zimmer gelassen. In ihrer Neugier und Spielfreude krabbeln sie zu den Rosen und Büchern und spielen damit. Dann ertönt ein extremer, sirenenartiger Krach. Kurze Zeit später erhalten die Krabbelkinder Stromschläge. Das wird über mehrere Tage wiederholt, bis den Kindern klar ist, dass der Umgang mit Büchern unangenehmen Krach mit sich bringt, der Umgang mit Pflanzen Stromschläge erzeugt.

 

They'll grow up with what the psychologists used to call an instinctive hatred of books and flowers. Reflexes unalterably conditioned. They'll be safe from books and botany all their lives.

Entweder wurde das mit den meisten Menschen zwischenzeitlich wirklich gemacht, oder aber es gibt andere Effekte (nennen wir sie die durch Facebook, Youtube und TV verhunzte menschliche Aufmerksamkeits-Ökonomie), die dasselbe erreicht haben wie das Neo-Pavlovian Conditioning aus Huxley's Brave New World.

 

Philip Roth, einer der besten amerikanischen Autoren unserer Zeit, jedenfalls sagte in einem Interview für Die Welt vor einiger Zeit Folgendes:

In zwei Jahrzehnten wird das Publikum für den anspruchsvollen Roman etwa so groß sein wie die Gruppe der Leser lateinischer Dichtung – und zwar heute, nicht etwa in der Renaissance.